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Facharzt-Meinung

Der Hund – Haustier und Seelenverwandter

Jetzt wird unser treuer Begleiter auch zum Personal Trainer

von
Claudia Diana Eichler
Physiotherapeutin

und
Professor Dr. med. Frank Duesberg
Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Mensch und Hund sind seit Jahrtausenden ein eingespieltes Team. Als Jagdbegleiter, Schutz- und Hütehund und in der jüngeren Vergangenheit auch in offizieller Funktion als Therapie-, Rettungs- und Polizeihund hat diese symbiotische Verbindung alle Epochen und Trends überstanden. Der Hund ist Freund, oft Seelenverwandter, Begleiter und Beschützer. Mit seinen differenzierten Sinneswahrnehmungen kompensiert er unsere Unzulänglichkeiten und übernimmt zuverlässig die ihm zugedachte Rolle. Bei jeglicher Kritik, die Züchtung der unzähligen Rassen betreffend, gab es doch lichte Momente der Gattung Mensch, im Respekt mit der Natur des Hundes echte Partnerschaften zu entwickeln.

Heute ist der Hund ein festes Mitglied der Gesellschaft, gerade Stadtmenschen holen sich mit ihm ein Stück der ursprünglichen Lebensweise ins Haus. Doch jeder Nutzen birgt auch die Verantwortung des Hundehalters, ein artgerechtes Dasein zu gewährleisten. Neben korrekter Fütterung gehört ein umfangreiches Bewegungsprogramm zum Alltag – zum Wohle von Mensch und Tier. Je nach Rassemerkmal erfordert der tägliche „Gassigang“ einige Kilometer in wechselnden Tempi – die Wölfe, Urahnen aller Hunde, jagen oft tagelang, legen weite Strecken zurück und verfolgen ihre Opfer bis zur Erschöpfung, indem sie sie hetzen. So werden mit Teamgeist selbst riesige Bisonbullen zur Strecke gebracht. Der zukünftige Familienhund sollte also wohlüberlegt ausgesucht werden; angepasst an die Bedürfnisse und Möglichkeiten sollte im eigenen Interesse auf Kinderfreundlichkeit, Nervenstärke und spezifische Rassemerkmale geachtet werden.

Auch und gerade Rettungs-, Polizei- und Therapiehunde müssen unbedingt ihren Bewegungsbedarf stillen, um ihr sensibles, aber absolut ausgeglichenes Nervensystem zu stabilisieren, sind doch ihre Sinneswahrnehmungen extrem beansprucht. Die häufig geforderte Dauerhaltearbeit der Führschulter des Hundehalters birgt Gefahren: In der täglichen Praxis des Orthopäden finden sich immer wieder Fälle von Erkrankungen des Bewegungssystems, die bei genauer Analyse maßgeblich auf Überlastungen durch mangelhafte Leinenführigkeit des vierbeinigen Begleiters zu erklären sind. „Das Schultergelenk ist ein subtiles Gefüge differenzierter muskulärer Führung. Einseitige Haltequalitäten, wie sie bei langen Hundespaziergängen vorkommen, schätzt es gar nicht!“ Prof. Dr. Frank Duesberg, Facharzt für Orthopädie und für Physikalische und Rehabilitative Medizin aus Solingen, sieht in seiner Praxis viele ernsthafte Schulter- und Wirbelsäulenbefunde, die neben den klassischen einseitigen Belastungen in Beruf und Freizeit oder durch Unfälle, auch auf jahrelange Zugbelastung mittels Hundeleinen und deren mehr oder weniger ausgebildeten Kumpel am anderen Ende zurück zuführen sind.

Neben den unpassenden Kombinationen von Hund und Halter wie eine 50 kg leichte Frau mit Deutscher Dogge oder Rhodesian Ridgeback finden sich jedoch meistens die ganz natürlichen Konsequenzen des von der Arbeit erschöpften Hundemenschen, der auf seinen völlig unausgelasteten Hund trifft, welcher den ganzen Tag in Zwinger oder Wohnung verbrachte. Da die Gelegenheit zum Freilauf in den großen Städten zu gering ist, die überschüssige Energie jedoch irgendwo hin muss, wird hier- und dorthin gezogen, das Tempo verschärft, dann plötzlich gestoppt, um den neuesten Nebenbuhler per Schnüffelinformation kennenzulernen. Herrchen oder Frauchen folgen willig in ihrer eigenen Welt, ohne Konzentration auf alle je erlernten Hundeführerratschläge.

Seit einiger Zeit sieht man Gurte, die um die Taille geschlungen werden, damit die Hände frei bleiben: zum Radfahren, Telefonieren, Kinderwagen schieben, Einkäufe bewältigen – ursprünglich entwickelt für das sportliche Laufen mit Hund. Sicherlich praktisch, jedoch gesundheitsgefährdend, da ein Ruck oder andauernder Zug im Bereich eines einzelnen Wirbelsäulensegmentes dieses erheblich schädigen kann. Außerdem besteht eine erhöhte Belastung des Nierengewebes, das wenig geschützt dem Dauerzug ausgesetzt ist.

Ein ursprünglich für die Musikerszene entwickeltes Tragesystem bietet die Lösung an: Das MAX-Gurtsystem wurde für das Tragen größerer Percussioninstrumente konzipiert. Die Kräfteumverteilung mittels Westen-ähnlichem Gurtsystem ermöglicht statt aus der nach unten ziehenden Belastung eine Aufrichtung, die im Bereich der Brustwirbelsäule eine streckende Wirkung erzielt und somit die Aktivität der Rückenmuskulatur deutlich optimiert. Eine aufrechte und stabile Wirbelsäule verbessert Konzentration und Energiehaushalt, die Ausdauerbelastung ist weniger ermüdend, die Freude an der Musik bleibt erhalten.

Die umtriebige Erfinderin nutzte ihr Patent, um Hundehaltern eine sichere und gesunde Alternative zur herkömmlichen Hundeleinenlösung zu bieten. Das Schlüsselerlebnis war eine junge Mutter, die mit Hund und Kind an den Händen, Blumenstrauß unters Kinn gepresst, ihren Autoschlüssel in den Tiefen ihrer Handtasche suchte. Das Kind stolperte, der Hund riss sich los und lief der MAX-Erfinderin vor das Auto. Glücklicherweise konnte diese rechtzeitig bremsen, doch ist es keine Kunst, ein Horrorszenario anderen Ausgangs vor dem geistigen Auge zu entwickeln.

Die zentrale Idee ist die eines bequemen und leichten Rucksacktragesystems, welches über eine schicke Metallplakette im Rückenbereich die Kräfte so geschickt umverteilt, dass der Impuls der Hundebewegung einen reaktiven Stabilisationseffekt auf die Brustwirbelsäule ausübt. Die eigentlich stabile knöcherne Anatomie des Brustkorbs erlebt einen Aufrichtungsimpuls, so dass der gefürchteten Rundrückenhaltung entgegen gewirkt wird. Die Hände sind frei und können feinmotorisch korrigierend einwirken, die non-verbalen Kommandos kommen so viel differenzierter an den Hund.

Auch der Rollstuhl-fahrende Hundeführer kann aufrichtende und aktivierende Impulse erhalten, die den freien Sitz fördern und neben dem direkten Effekt auf die Wirbelsäule auch reaktive dynamische Stabilisationen des Beckens und der Beine stimulieren. Das Gurtsystem ist individuell einstellbar und entlastet zielgerichtet die verletzungsanfälligen Körperbereiche. Das Führen mehrerer Hunde ist möglich, für besonders kräftige Rassen kann ein Panikhaken anstatt des üblichen Karabiners benutzt werden. Um brenzlige Situationen zu entschärfen, kann der Hund damit sofort und ohne Kraftaufwand vom Gurt gelöst werden.

Das MAX-Gurtsystem ist geeignet, die empfindlichen Schulter-Arm- und Wirbelsäulenregionen effektiv zu entlasten und einen Trainingseffekt der Rückenmuskulatur zu gewährleisten, welche den alltagsbedingten Fehlbelastungen der Brustwirbelsäule entgegenwirkt. Die Hände und Arme können frei pendeln und ermöglichen einen zügigen und harmonischen Bewegungsablauf des Gehens. Professor Duesberg empfiehlt heute vielfach diese Variante der Hundeführung, und zufriedene weil schmerzfreie Hundehalter freuen sich wieder auf die täglichen Abenteuer mit ihren vierbeinigen Freunden.


Bild- und Bezugsnachweis:

Ich bedanke mich bei den Autoren Professor Dr. Duesberg und Frau Eichler dafür, den Artikel auf meiner Homepage veröffentlichen zu dürfen.

MAX-Gurtsystem
Sabine Strobel